Stefan Kaiser und Wolfgang Matt vertreten Liechtenstein an den Weltmeisterschaften F3A in Dübendorf, Schweiz - 02.08.2015

Zwei Liechtensteiner Piloten zeichnen vom 8. bis 15. August mit ihren Modellflugzeugen Figuren in den Himmel über Dübendorf. Stefan Kaiser in der hoffnung auf einen WM-Spitzenplatz, Wolfgang Matt im Bestreben, sich einen gelungenen Abschied von der grossen Bühne zu bescheren.


Team Liechtenstein
Hinten: Robert Kaiser (Flughelfer) - Günther Matt (Team Manager) - Toni Böller (Flughelfer)
Vorne: Stefan Kaiser (Pilot) - Wolfgang Matt (Pilot)

Gut ein Jahr liegt er nun zurück, Stefan Kaisers grösster Erfolg in seiner Karriere als Modellflugpilot. Auf dem Flugplatz in Bendern, wo der Physikstudent einst seine ersten Flugversuche unternahm, eroberte er im Juli 2014 in bemerkenswert souveräner Manier die Europameisterkrone. Ein solcher Leistungsausweis, dieser Schluss liegt nahe, macht den jungen Liechtensteiner automatisch zu einem der vordersten Anwärter auf den Gewinn der anstehenden WM in Dübendorf. Dass vor Jahresfrist auch der amtierende Weltmeister Christophe Paysant-le-Roux aus Frankreich zu den Geschlagenen gehörte, stützt eine solche Annahme noch zusätzlich.
Kaisers Sicht auf die Dinge ist jedoch eine leicht andere. "Ich sehe mich nicht als Favoriten", sagt er entschieden. Daraus mag zu Teilen Understatement sprechen, zu Teilen auch sein bescheidenes Naturell, aber ebenso nüchterner Realismus. An einer WM, betont er, gebe es nun mal eine Vielzahl Piloten, die jederzeit einen Hammerflug hinlegen können. "Und du musst jeden Tag aufs Neue präsent sein. Eine ganze Woche lang." Just so, wie Kaiser es vor einem Jahr vorgemacht hat.
Sollte ihm Ähnliches auch in Dübendorf gelingen, wähnt der Gampriner einen WM-Titel durchaus in Reichweite: "Wenn wirklich alles zusammenpasst, ist auch alles möglich." Druck verspürt er deswegen aber keinen. Wird er nicht gerade darauf angesprochen, beschäftigt er sich kaum mit solchen Szenarien. Zuvorderst gehe es für ihn darum, das in vielen Flugstunden Einstudierte an einem Grossanlass umzusetzen und dabei jeden Tag zu geniessen. "Für welche Platzierung das gut sein wird, entscheiden dann die Punkterichter."

Bereit für einen Höhenflug
Seit Ende März schon laufen Kaisers WM-Vorbereitungen auf Hochtouren. "Wann immer es das Wetter zuliess, war ich auf dem Flugplatz", erzählt er. Zumeist in Bendern, gelegentlich aber auch anderswo - um den Wettkampf auf Flugplätzen zu simulieren, deren Gegebenheiten er nicht aus dem Effeff kennt. Mit dabei war zuletzt öfters Hermann Kleeb, der Liechtenstein in Dübendorf erstmals als WM-Juror vertreten wird. Zuvor waren es in aller Regel Vater und Flughelfer Robert Kaiser sowie der langjährige Liechtensteiner Wettkampfjuror Sigi Beck, die Kaisers Flugmanöver kritisch beäugten. Mit Letzterem, so der Unterländer, habe er praktisch jeden einzelnen Flug analysiert. "Dadurch kristallisierten sich nach und nach die Aspekte heraus, an denen ich arbeiten musste."
Wenige Tage vor der Eröffnungsfeier am Samstag fühlt sich der 23-Jährige für den Saisonhöhepunkt gerüstet. "Meine Form ist super", hebt er den Daumen. Gerade im Hinblick auf die unbekannten Programme, die wie gewohnt Bestandteil des Finalwettkampfs sein werden, sei er sehr gut vorbereitet - "noch besser als vor der EM." Teilnahmen an einem Wettkampf in Holland (3.) und am Internationalen Freundschaftsfliegen in Bendern, das wer zum vierten Mal in Serie gewinnen konnte, hätten ihm zudem dabei geholfen, auch im mentalen Bereich die gewünschte Verfassung zu erlangen.
Und doch, weiss Kaiser nur zu gut, sind das letztlich nichts weiter als gute Voraussetzungen ohne damit verbundene Garantien. Auch vor seiner letzten WM, 2011 in den USA, habe er hervorragend trainiert, erinnert er sich. "Aber im Wettkampf konnte ich das mit einem neunten Platz dann leider nicht ganz bestätigen." Damals ging Stefan Kaiser freilich auch noch als Teenager durch und war kein amtierender Europameister.

Das 25. und letzte Mal
Während der Jungpilot sich in der Kleinstadt im Kanton Zürich zum dritten Mal an einer WM präsentieren wird, scheint Wolfgang Matts Name zum 25. Mal in der Teilnehmerliste der globalen Titelkämpfe auf. Nur sechs Mal fehlte der unverwüstliche Liechtensteiner - vornehmlich, weil er, als die ersten WM-Titel vergeben wurden, aus Altersgründen noch gar nicht startberechtigt war.
Nach oben hin ist die Altersgrenze für eine Teilnahme dagegen offen. Es obliegt den Sportlern, den Zeitpunkt ihres Abschieds zu bestimmen. Den sieh Matt für sich nun gekommen. Schon im vergangenen Jahr hatte der fünffache Europa- und zweifache Weltmeister im Gespräch mit dem "Volksblatt" angekündigt, nach der WM 2015 von der ganz grossen Bühne abtreten zu wollen. " Und so verhält es sich noch immer", bestätigt er jetzt. Er wolle zwar nicht gänzlich aufhören. "An internationalen Anlässen in der Umgebung werde ich sicher noch teilnehmen." Aber an einer WM oder einer EM werde man ihn künftig definitiv nicht mehr antreffen.
Ein Abtritt mit Knalleffekt - das wäre da doch der passende Schlusspunkt, möchte man meinen. Allein, die Weltspitze lässt wenig Raum für Ausflüge von Romantik. Ein Platz ganz vorn sei kaum zu realisieren befindet Matt denn auch. "Dort sind die Jungen. Die sind einfach schneller und flinker." Für sich selbst erachtet er eine Klassierung unter den besten 20, womöglich auch in den Top 10, als das Höchste der Gefühle. "Aber auch das käme schon einer Sensation gleich."
Mühe bereiten ihm solche Aussichten nicht. Warum auch? In den obersten Ranglistengefilden hat er sich über Jahrzehnte hinweg aufgehalten. Da ist nichts, was er noch nachzuholen hätte. "Ich habe doch schon alles erreicht", sagt Matt selbst. Für ihn zählt in Dübendorf in erster Linie ein "schöner persönlicher Abschluss". Und der definiert sich primär über ein paar letzte "gute Flüge", wie er findet. Wenn das auch noch für ein erfreuliches Ergebnis gut ist - umso besser.

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